Und trotz einiger Bemerkungen hinter vorgehaltener Hand wissen wir: Hier ging es um weit mehr als um ein paar Schilder, Buchstaben und Zeichen.
Kurz darauf erhielt ich die Chance, als Kandidatin meiner Partei für den Nationalrat zu kandidieren. Ehre und Motivation waren gross. Dass die Amtsbezeichnung der Gemeindepräsidentin der zweitgrössten zweisprachigen Gemeinde im Kanton Bern jedoch nur in Deutsch oder Französisch auf der Wahlliste stehen durfte, liess das Herz bluten. Es gelten die gewählten Sprache, auch englische Bezeichnungen würden akzeptiert. Protest half nicht – zu spät im Prozess, das Anliegen werde aber aufgenommen. Und wurde ernst genommen: Auf die Grossratswahlen 2022 hin passte die Staatskanzlei die Praxis an. Vielen Dank! Seither dürfen Berufs- oder Amtsbezeichnungen zweisprachig erscheinen. Aus «Gemeindepräsidentin» wurde «Gemeindepräsidentin/Mairesse» und genauso stand es 2023 auf der Nationalratsliste.
Wir schreiben 2026. Beim Gut zum Druck der Wahllisten für die Grossratswahlen zeigt sich eine neue Anpassung: Der Schrägstrich ist nicht mehr erlaubt. Die Bezeichnungen werden durch ein Komma getrennt, danach wird im Französischen kleingeschrieben. Aus «Gemeindepräsidentin/Mairesse» wird «Gemeindepräsidentin, mairesse». Kein Protest hilft – das Komma befiehlt, die Enttäuschung sitzt tief.
Eine kurze Recherche bestätigt: Nach dem Komma wird klein geschrieben. Beim Schrägstrich zeigt man sich im gestalterischen Bereich toleranter – was diesen per se sympathischer macht. Unter meinen französischsprachigen Mitmenschen gehen die Meinungen auseinander. Einige sagen «immer klein», viele verweisen auf die Übersetzung und die «égalité» beider Sprachen – also Grossschreibung nach dem Schrägstrich. Auch eine tiefer gehende Analyse von E-Mail-Signaturen bestätigt diese Praxis.
Ich plädiere für die Rückkehr des Schrägstrichs. Mein kleines «mairesse» nach dem grossen «Gemeindepräsidentin» fühlt sich doch etwas diskriminiert an. Ob ich im Grossen Rat einen Vorstoss lohne, bezweifle ich; der bilaterale Weg ist sicher zielführender. Und nun hinter vorgehaltener Hand: Was sind schon ein paar Buchstaben und Zeichen? Gross oder klein? – Vielleicht spricht hier einfach mein zweisprachiges Herz mit Muttersprache Deutsch.
Madeleine Deckert
Grossrätin und Gemeindepräsidentin von Leubringen/Magglingen